Editorial, Gesellschaftspolitik, Illustration

Abgesang der Tochter aus Elysium

Illustration für "Der grinsende Pinguin" | Europa liest die News - Oder, die Kommentare auf derstandard.at | ©Silke Müller

Illustration für die 20er Jahre

Ein Redakteur von der Satirezeitung „Der grinsende Pinguin“ schrieb mir eine Email mit einem Bild aus dem „Simplicissimus“ im Anhang und fragte, ob ich diese Karikatur ins Heute „übersetzten“ könnte. Die Vorlage, die ich bekommen habe, war von Erich Schilling – „Des Feldherrn Abgesang“, veröffentlich am 30. März 1925.

Illustration für "Der grinsende Pinguin" | Europa liest die News - Oder, die Kommentare auf derstandard.at | ©Silke Müller

Illustration für Simplicissimus vs. Illustration für „Der grinsende Pinguin“

Die satirische Zeitschrift

Der „Simplicissimus“ war eine Wochenzeitschrift die zwischen 1896 und 1944 in München erschien. Erich Schilling war ein Zeichner der Zeitschrift und wandelte sich vom Gegner und Kritiker des Nationalsozialismus, zum Anhänger der NS-Politik. Er nahm sich das Leben, als die Alliierten in Bayern ankamen.

„(…) Simplicissimus. Titel wie diese prägten den künstlerischen Widerstand gegen den Faschismus der 1920er- und 1930er-Jahre mit.
In zahlreichen Satirezeitschriften kämpften Illustrator_innen, Dichter_innen und Schriftsteller_innen mit ihren Mitteln gegen den politischen Irrsinn an, der in der Zwischenkriegszeit (11. November 1918 – 1. September 1939) breite Teile der Bevölkerung auf seine Seite zog und sich in Europa insbesondere im Austrofaschismus unter Dollfuß und Schuschnigg, im italienischen Faschismus unter Mussolini, im spanischen Faschismus unter Primo de Rivera und Franco und im Nationalsozialismus unter Hitler äußerte.“ qujOchoö

Der grinsende Pinguin

„Einige der Satirezeitschriften, die in der Zwischenkriegszeit erschienen sind, wurden in den letzten Jahren digitalisiert und frei zugänglich gemacht, (…) qujOchÖ sichtet dieses Material baut ein kleines Archiv dazu auf, das als Basis für die Produktion einer eigenen Satirezeitschrift mit dem Titel “Der grinsende Pinguin” dient. Untertitel: “Satire für die 20er-Jahre”.

Von der Zeitschrift erscheinen insgesamt drei Ausgaben in einer Auflage von 7.500 Stück, gedruckt im Berliner Vollformat auf 60 g/m2 recyceltem Altpapier mit 8 Seiten in Farbe.
Sie wird in Wien, Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck verteilt.“

Process

Ich arbeite oft mit Fotos als Illustrationsvorlagen: ich drucke sie aus und pause Teile mit Kohlepapier durch. Oder ich lege sie auf den Leuchttisch. Manchmal importiere ich sie aber auch direkt in Photoshop oder in ProCreate am iPad und zeichne einfach auf extra Ebenen darüber. Gerade für Gesten fotografiere ich oft meine eigenen Hände, um zu schauen wie es anatomisch richtig aussehen müßte.
In diesem Fall ist es aber die Anatomie unseres Atelier-Klo, die in der Zeitung wieder zu finden ist.

Ode an die Freude

Meine Großmutter Edith hat „Freude schöner Götterfunken“ sehr geliebt, sie hat Schiller sehr geliebt. Die Tochter aus Elysium taucht im von Beethoven vertonten Text auf. Als Kind habe ich ewig gerätselt, was dieses Elüüüüsium sein könnte. (Ich müßte es jetzt googeln. Aaaah, now I know… im Landwirtsforum )

Zu Ediths 80. Geburtstag haben alle Enkel*innen die „Ode an die Freude“ mit Kinderinstrumenten für sie gespielt – Blockflöte, Kazoo, Glockenspiel, Melodika – sie hat  den Kammerton „AAAAA“ auf dem Kinderklavier für uns angescheppert, und am Ende hat sie geweint. Höre ich die europäische Hymne fühle ich etwas sehr Freudiges und Trauriges gleichzeitig. Meine Omas Vorname und meiner Uromas Nachname haben mir das Pseudonym für diese Veröffentlichung geliehen: Edith Käfermann.