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Single mom

Der Bettelprinz von Vera Vasilkovic, Boulevardzeitung Augustin, Illustration: © Silke Müller | Linz

Die lange Suche nach Martin endete genau am 12. 11. 2018

„… in der Marxergasse im 3. Stock, Zimmernummer 303. Es ist ein seltsames Gefühl, eine Beerdigung zu feiern, die vor 6 Jahren, am 6. August stattfand.“

Der Text „Der Bettelprinz“, in dem sich Vera mit dem Tod des Vaters ihrer jüngsten Tochter und mit ihrer Beziehung zu ihm auseinandersetzt, war eine Herausforderung für mich.
Denn sie berichtet von einem Mann, der Vera und ihre Tochter – mit allen Schwierigkeiten Alleinerziehender – sitzen läßt und nur auftaucht um sich versorgen zu lassen. Der dem Kind Angst macht. Sie nimmt ihn immer wieder auf und bringt ihm Zuneigung und Verständnis entgegen.

Vera Vasilkovic schreibt über den Vater ihrer Tochter:
„Ich konnte nicht Nein sagen, und er hörte nicht auf zu bitten, es genügte nur ein paar Mal mit seinen blauen Augen zu zwinkern, ein paar Tränen zu lassen und eine arme verlorene Gestalt darzustellen. Schon begann das Spiel. Er: Wie lange hielt er es aus in der Familienstruktur. Ich: Wie nah lasse ich ihn an mein Frauenherz heran. Unser armes Kind betrachtete das «Bühnenstück» mit der Vorahnung , dass es wieder Mal ein Ende ohne «Happy» wird. Augustin 

Der Bettelprinz von Vera Vasilkovic, Boulevardzeitung Augustin, Illustration: © Silke Müller | Linz

„Der Bettelprinz“ von Vasiljkovic, Boulevardzeitung Augustin Ausgabe 478

Die Abwesenheit der Väter

Das diese Geschichte erzählt wird, ist wichtig. Auch wenn die Entscheidungen schwer nachvollziehbar sind und einen emanzipatorischen Verlust darstellen.
Es ist Anliegen und grundlegende Intention des Augustin, dass Menschen ihre Geschichte erzählen können, um andere Lebenserfahrungen und Lebenwelten sichtbar zu machen.

Ich bedanke mich herzlich bei der Redakteurin Jenny Legenstein für die offene Auseinandersetzung mit meinen Fragen zu Veras Text. Und bei der Grafik, die die Beziehung so deutlich macht.

Die Schatten abwesender Väter

Die eigene Erleben und subjektive Empfinden spielt in Illustrationen oft eine Rolle. Ich kann mich so genau an den Morgen erinnern, an dem meine Schwester und ich auf dem Schoß meiner Mama gesessen haben. Am Schreibtisch. Wie alle drei geheult haben, als sie uns den Zettel vorgelesen hat, den mein Vater hinterlegt hat, um uns mitzuteilen, das er von uns weggegangen ist über Nacht. Ich bin froh, dass er wieder zurück gekommen ist.