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Anna erzählt – Ein Stück Widerstand

Illustration Silke Müller | AK Oberösterreich Theaterstück „Anna erzählt“ Thomas Arzt über die Zeitzeugin Mühlviertler Menschenjagd

Illustration für ein Theaterstück über NS-Kriegsverbrechen im Mühlviertel

Für die Arbeiterkammer Oberösterreich habe ich ein Sujet für das Theaterstück „Anna erzählt. Ein Stück Widerstand“ von Autor Thomas Arzt und Regisseurin Heidelinde Leutgöb illustriert.
Ich liebe Theaterplakatmachen wirklich sehr und fühle mich auch ein bisschen geehrt, dass ich hier zu einer besonderen Zeitzeugin arbeiten durfte.

Anna ist nämlich die 94-jährige Anna Hackl, die 1945 als 14-Jährige, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, Zeugin einer Menschenjagd und Rettung wurde. Ihre Familie – die Familie Langthaler – versteckte 3 Monate zwei Fliehende vor eine Mordaktion, der in Tätersprache so genannten „Mühlviertler Hasenjagd“.
Michail Rybtschinskij († 2008) und Nikolai Zimkalo († 2001) waren zwei sowjetische Kriegsgefangene aus der Ukraine im KZ Mauthausen.

Plakatillustration “Anna erzählt” Theaterstück von Thomas Arzt

Nach Winden bei Schwertberg

In der Nacht zum 2. Februar 1945 unternahmen 419 sowjetische Häftlinge einen Fluchtversuch bei -8 Grad aus dem Todesblock des Konzentrationslagers Mauthausen. 11 überlebten die Flucht.
Michail und Nikolai, schafften es bis in die Gemeinde Schwertberg, 10 km vom KZ entfernt, zum Hof der Familie von Anna. Diese Familie rettete den beiden jungen Männern das Leben und setzte ihr eigenes dabei aufs Spiel.

Wochenlang wurden die Geflohenen gesucht, gejagt und ermordet von Mitgliedern der SS, SA, Gendarmerie, Feuerwehr, Wehrmacht, Volkssturm und Hitlerjugend auch auch von Menschen aus der Nachbarschaft, die Zivilbevölkerung.

Skizzen, Quellenmaterialien und Illus während der Entstehung des Plakatmotives

Sie rennen durch winterkaltes Weiß und Blau

Früher hat man das Weiche der Gänse- oder Entenfedern per Hand vom Federkiel getrennt, das nennt sich Federnschleißen. Im Stück ist Anna auf dem Dachboden damit beschäftigt, Federn zu schleißen während sie erzählt. Eine feine Linienzeichnung und eine verwischte Kohlezeichnung einer Gänsefeder ergeben das Hauptmotiv des Plakates.

Der Kiel der Feder ist entfernt. Dort wo der Federkiel war, ergibt sich optisch ein Fluchtweg. Die beiden Männer Michail und Nikolai rennen vor Verfolgern davon, der hintere von ihnen dreht den Kopf ängstlich zurück.
Die Fasern der Federn erinnern an Bäume oder Dickicht am Weg. Es scheint, als ob die Männer durch einen Wald laufen Richtung Familie Langthalers Bauernhof. Die Illustration zeigt die Opfer der Verfolgung. Einer von ihnen war barfuß, beide trugen dünne Häftlingskleidung.

Kohlezeichnung von einer Feder auf Silkes Zeichentisch, ihre Rechte Hand hält einen Papierstift der die Kohle verwischt.
Die Originalzeichnung der Feder mit Kohle

Zeitgeschichte in Handschriften

Die Handschrift von “Anna erzählt” ist in Kurrent geschrieben, wie sie auch um 1945 in Österreich und Deutschland geschrieben wurde.  Sie erweckt den Eindruck von persönlichen, historischen Tagebucheintragungen. Sie ist im Plakat für leichtere Lesbarkeit verändert in den Buchstaben e, r, z und h.

1941 wurde die Kurrent durch Hitlers “Normalschrifterlass” verboten und durch “deutsche Normalschrift” und lateinische Ausgangsschrift an den Schulen ersetzt. Die angepassten Buchstaben, sehen ähnlich aus wie die sogenannte “dt. Normalschrift”.

Die Buchstaben sind von der Feder halb versteckt halb sichtbar, sie zeigen das Verbergen und das Geheimnis. Ein hervor luschern der Handschrift: privat, subjektiv, dokumentarisch.

Typografie für Anna erzählt | Oben Kurrentschrift unten „Normalschrift”

Ein Theaterstück für junges Publikum

Die Koproduktion von theater@work und AK-Kultur basiert auf der wahren Geschichte von Anna Hackl. Aus der Perspektive der jungen Anna vermittelt das Stück diese Zeit der österreichischen Geschichte eindrücklich, emotional und altersgerecht.

Der mehrfach ausgezeichnete oberösterreichische Dramatiker Thomas Arzt und die Linzer Regisseurin Heidelinde Leutgöb haben im Auftrag der AK Oberösterreich aus Annas Erinnerungen einen Theatermonolog für junges Publikum erarbeitet – ein packendes Kammerspiel über Courage und Widerstand in Zeiten von Hass und Hetze.

Infos zum Stück

Regie: Heidelinde Leutgöb · Ausstattung: Jan Hax Halama · Mit: Julia Frisch und Andreas Huber (Musik)
Produktion: theater@work in Kooperation mit der AK OÖ
Für Schüler:innen der 8. bis 13. Schulstufe
Dauer der Vor­stellung ca. 60 Minuten plus Nachgespräch (max. 30 Minuten) 
Auf­führungs­ort: Arbeiterkammer Linz, Kongresssaal
Freier Eintritt für Schulklassen

INFO & ANMELDUNG ooe.arbeiterkammer.at

Flyer für Schulklassen | Grafik: AK Oberösterreich

Let’s work together

Wenn du für deine Veranstaltung ein illustriertes Sujet oder Plakat möchtest, schreib mir gerne, denn ich habe ab Mitte Juli wieder Platz für neue Aufträge. Hier kannst du nachlesen, für welche Anwendungen ich Illustrationen und Gestaltungen anbiete.

Mehr über das Stück erfahren
Interview mit Anna Hackl youtu.be/nq5PSif8RLE (habe ich als gleich zu Beginn meiner Arbeit geschaut, empfehle ich sehr!)
KZ-Gedenkstätte Mauthausen: www.mauthausen-memorial.org/de/Wissen/Das-Konzentrationslager-Mauthausen-1938-1945/Muehlviertler-Hasenjagd
Podcast über das Verbrechen www.spiegel.de
Zum Autor des Theaterstückes www.thomasarzt.at
Vorstellungstermine ooe.arbeiterkammer.at